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Pilze sammeln in Kieve

Das Wochenende werde ich am Ort meiner Kindheit verbringen. Es gibt dort einen Badesee, in welchem ich die Sommer verbrachte. Stundenlang habe ich gebadet, konnte schwimmen schon, bevor ich sechs Jahre alt war. Mit einem klapprigen alten Fahrrad unterwegs und als Proviant ein Stullenpaket, manchmal Kekse und selten rote Brause. Als ich erwachsen war, interessierte mich weniger das Baden, sondern die Pilze, viele Steinpilze, die es dort gab. Pilzesammeln gehört zu den wirklich schönen Erinnerungen und eigentlich fahre ich auch jetzt zum Pilzesammeln nach Kieve. Die Pension liegt auf der anderen, der preußischen Seite des Sees, soviel Abstand muss sein, dort gingen wir nie baden und duldeten als Kinder und Jugendliche auch nicht, dass die Wittstocker und Sewekower an unsere Badestelle kamen, weil unsere viel schöner war. Irgenwie möchte ich Frieden schließen mit dem Ort, möchte unserem Freund zeigen, wo sich Tragödien ereigneten und wo die Natur mich zu besänftigen verstand, ja es überhaupt möglich machte, dort in der dörflichen Beschränktheit weder gänzlich den Mut noch den Verstand zu verlieren. Und nach dem Tod meiner Eltern müsste der Boden minenrein sein, begehbar ohne Trauer und Verbitterung und hoffentlich noch voller Pilze.