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Ein Quantum Macht

Die Tage rinnen, tätige Absichtslosigkeit vermischt sich mit Gedankenblitzen und wohliger Bequemlichkeit. Ein Laubteppichbedeckt den Garten schon, aber alles blüht darunter noch so üppig. Nächste Woche wird Herr Meier kommen (der von den Schweriner Engeln ) und den Laubteppich ausputzen, bis kein Laub mehr da ist und der Winterschlaf beginnt.
Ich lese wieder die alten Bücher, weil im Moment nichts Neues erscheint ( jedenfalls was mich interessiert )und freue mich über die Gabe, Teile der Handlungen und auf jeden Fall den Plott nach jedem Lesen zu vergessen. Früher habe ich mir das nicht vorstellen können, Bücher ein zweites Mal zu lesen, jetzt mag ich es, weil es mir wie Begegnung mit alten Bekannten vorkommt, die nichts fordern, nur einfach da sind und sich mit mir gerne die zeit vertreiben. Arbeit ist immer da, alles ist gut zu bewältigen, verschlingt mich nicht, lässt mir zeit für Meins; für wuseln und wurschteln und Vorfreude auf das, was da kommen wird.
Es hat mich verstört, dass die Bank um den Baum vorm Schlossparkcenter abmontiert wurde, wahrscheinlcih hat sich jemand über die Punks beschwert, die dort ihre Tage drauf verlungern in seliger und doch äußerst fragiler Abwesenheit. Sie werden andere Plätze finden und ich werde sie nicht suchen, wenn es nottut, werden sie mich finden.
So wie die Situationen mich finden, übereifrige Kassiererinnen im Supermarkt zum Beispiel, die ihr winziges Quantum Macht an harmlosen Jugendlichen ausprobieren. Diese wagten es, ein Fäkalwort auszuspechen, woraufhin sich das Gesicht der Kassiererin oberlehrerhaft verzog und der Zeigefinder in die Höhe schnellte; so was will ich aber nicht hören. Das ist doch, wenn auch nicht schön, Bestandteil der Alltagssprache, die einem auf jedem privaten Fernsehsender entgegenschreit, sagte ich, die Heranwachsenden übernehmen doch nur, was wir ihnen vorsetzen. So was gucke ich nicht, empörte sich die Frau, nein, gewiss nicht, sie sehen schon so aus, als würden sie nach Feierabend immer 3sat und Arte einschalten.
Die Jugendlichen feixten nicht einmal, waren nur verwirrt von dem, was sie ausgelöst hatten, riefen mir aber ein Danke und Schönen Tag noch hinterher.